Pressemitteilung vom 13.05.2013 --  FFA-Aktuelles  --


130205 nl roemerFFA-INTERVIEW
Stellungnahme zum Thema "Pflegenoten" im Gespräch
Beate Glinski-Krause mit Prof. Reimer Gronemeyer



"Pflegenoten sind ein Ausdruck zeitgenössischer Krankheit"

FFA: Im Januar 2012 haben Sie in Berlin ein Referat über Pflegenoten gehalten, dessen Inhalte Sie auch in Ihrem neuen Buch
"Das 4. Lebensalter"  ansprechen. Könnten Sie dazu etwas sagen?

Gronemeyer: Pflegenoten sind ein Ausdruck zeitgenössischer Krankheit. Wir meinen, uns sicher fühlen zu können, wenn wir etwas gemessen haben, wenn wir es standardisiert haben, wenn wir es evaluiert haben und qualitätskontrolliert haben. Der Umgang mit meinen Kindern oder der Umgang mit meiner Freundin - da kann man keine Punkte verteilen. Und genauso ist der Versuch, Pflegenoten zu geben eingestandenermaßen gescheitert. Ich kenne keinen, der der Meinung ist, dass das eine gute Idee war. Ein Kollege, der Interviews im Pflegeheim gemacht hat, hat mir neulich folgende Geschichte dazu erzählt. „Wie fühlen Sie sich hier?“ Alle fühlten sich ganz toll. Und am Schluss des Interviews hat dann eine der Interviewpartnerinnen, eine 85-jährige Dame gesagt: „Ist das Verhör jetzt zu Ende? Dann will ich jetzt mal sagen, was hier wirklich los ist.“

Im Pflegeheim sagt man als Betroffener schon einmal nichts Negatives. Das kann man sich gar nicht leisten. Schon gar nicht aus dieser Generation. Die 68er werden das vielleicht anders machen. Die Generation, die aus dem Nationalsozialismus kommt, die ist an Gehorsam gewöhnt, die widerspricht erst einmal nicht. Mit den Pflegenoten kriegt man nichts zu sehen, was einem irgendwie weiterhilft. Das wissen alle. Und von daher muss man sagen, weg damit. Einfach deswegen, weil diese Vorstellung, man könne das, was im Pflegeheim passiert, in Noten fassen, pervers ist.

Das ist ein Zwang, eine Idiotie zu meinen, man könne Missstände durch Kontrolle in den Griff kriegen. Wenn ein Pfleger bereit ist, einen alten Menschen zu quälen, dann wird er es auch mit Pflegenoten hinkriegen.

Das vollständige Interview finden Sie in der PDF-Datei

 
Pressemitteilung vom 01.01.2012 -Aktuelles-
Dieses Jahr wurde noch keine Pressemitteilung verschickt.
 
Pressemitteilung vom 05.02.2013 --  FFA-Aktuelles  --


130205 nl roemerErgebnis
FFA-Umfrage Pflegenoten in Heimen  
(vom 16. – 25.01.2013)
Resonanz auf die FFA-FACHTAGUNG im Herbst 2012 


„Wir werben für uns, indem wir Kritik an der MDK-Prüfung und den Pflegenoten üben"


Mit Kritik an den Pflegenoten werbe er auf seiner Homepage, teilte ein Heimleiter auf dem Umfragebogen des Frankfurter Forums für Altenpflege (FFA) mit, das mit einer Erhebung die Resonanz für Pflegenoten in den Frankfurter Heimen ermittelte. Die Befragung, an der sich 31 von 40 Frankfurter Heimleiterinnen und -leiter (77,5%) beteiligten, fand zwischen dem 16. und 25. Januar 2013 statt. Auf die 1. Frage, ob noch mit Pflegenoten geworben werde, antworteten 20 Leitende mit Nein und 11 mit Ja.  Die 2. Frage, ob die verantwortlich Leitenden noch persönlich für den Fortbestand des Pflegenotensystems plädierten, wurde 29-mal verneint.  Ein weiteres Resultat der Umfrage ist die Erfahrung, dass Menschen, die einen Heimplatz suchten, so gut wie nie nach Pflegenoten fragten. Sie orientierten sich daran, ob das Personal freundlich sei und schauten, wie ihnen das Haus gefällt.

Die Umfrage ergab sich aus der Fachtagung "Qualität in Altenpflegeheimen - geprüft, benotet, transparent?“, die das FFA-Netzwerk der Heimleitenden am 20.09.2012 im Römer veranstaltete. Damals sagte Referentin Natalie Albert (Caritas Münster): "Pflegenoten bewerten nicht die Pflegequalität und das Wohlbefinden der Bewohner." Daher habe man sich in Münster für ein Qualitätsmodell entschieden, das neben guter Beziehungspflege (nicht zählbar) auch die Pflegemitarbeiter in die Qualitätsentwicklung einbeziehe. Heimleitende des FFA ergänzten. „Der Aufwand für die Qualitätsprüfungen und die Ermittlung der Pflegenoten steht in keinem Verhältnis zum Ertrag für die auf Pflege angewiesenen Menschen.“   Das belaste auch das knapp bemessene Pflegepersonal.
Thomas Klie, Sozialgesetzexperte, sagte, dass allein der Bürokratie- und Kontrollaufwand in bundesdeutschen Pflegeheimen einen Batzen von 2,7 Mrd. Euro pro Jahr verschlinge.
link internLink zu FFA-Fachtagung Pressemappe vom Dezember 2012


Werben Sie noch mit Pflegenoten?

In Flyern, im Internet oder anderen Medien haben laut der FFA-Umfrage schon viele Heimleitende und Träger die Werbung mit Pflegenoten ganz eingestellt. „Wir haben noch nie mit diesem Unfug geworben“, schrieb ein Heimleiter lapidar. Weniger direkt, aber ins Detail gehend äußert sich sein Kollege: „Das System ist völlig unzulänglich. Weniger wichtige Kriterien gleichen ganz wichtige Kriterien aus.“  Gemeint ist damit, dass eine gute Bewertung für das Layout einer Speisekarte eine schlechte Bewertung in der Pflege wettmachen kann. Also werbe man nicht mit Pflegenoten. Die elf Leitenden, die noch mit Pflegenoten werben, äußerten, dass die Heimträger dies wünschten.
Sieben Leitende lehnten das Werben mit den Noten ab, weil die Pflegenoten nicht die eigentliche Qualität der Pflege abbildeten und die gute Note 1,9 nach der aktuellen Bewertungsskala bereits eine schlechte Note sei. Dass nach den Pflegenoten gar nicht oder nur sehr selten gefragt werde, äußerten sechs Personen. Eine meinte, dass die beste Werbung die Mund-zu-Mund-Propaganda sei und eine andere: „Entscheidend ist der erste Eindruck, den Menschen von einer Einrichtung gewinnen.“


Plädieren Sie persönlich für den Fortbestand der Pflegenoten?

Auf diese Frage antworteten 29 von den 31 Leitenden mit einem Nein. Zwei entschieden sich weder für ein Ja noch ein Nein, sondern äußerten, dass das bestehende Pflegenoten-System seitens der Politik qualitativ verändert werden müsse.  Der mit Abstand am häufigsten genannte Grund gegen Pflegenoten war der, dass der Pflege-TÜV nicht die eigentliche Qualität der Pflege abbilde. Die Pflegenoten seien irreführend, sie spiegelten nicht das wider, „was wirklich an Leistung am Menschen mit Pflegebedarf erbracht wird“.  Und noch detaillierter: "Kontrollen im Pflegeheim, die nur das Verschriftlichte berücksichtigen, sich ausschließlich auf Dokumentation stützen, sind nicht zweckdienlich. Die Ergebnisqualität - also der aktuelle Zustand der Bewohner - wird nicht erhoben.“
Zehn Personen begründeten ihr Nein mit dem Aufwand für die Noten, der in keinem Verhältnis zum Nutzen stehe. „Das System ist zu teuer im Verhältnis zum Nutzen.“  Drei Leitende lehnen die Pflegenoten auch deswegen ab, weil sie von den Heimplatzsuchenden nicht nachgefragt werden.  
Frankfurter Pflegeheimleitende wünschen sich eine konzertierte Aktion gegen Pflegenoten und werben mit dieser Pressemitteilung gegen den Pflege-TÜV und für ihre Häuser.

Text: Beate Glinski-Krause


 
Pressemitteilung vom 18.02.2013 --  FFA-Aktuelles  --



BROSCHÜRE MIGRANTEN(DACH)ORGANISATIONEN  (100 Seiten)

Um sich einen Überblick zu verschaffen, welche Migranten(dach)organisationen in Deutschland bestehen, bietet die Broschüre der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration umfangreiches Material und vor allem auch Kontaktdaten der bundesweit vertretenen Institutionen. Vor dem Hintergrund, dass ein Fünftel der bundesrepublikanischen Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat, bietet das Kompendium Informationen auf Fragen nach regionalen, überregionalen sowie bundesweit aktiven Migantenorganisationen, die sich zudem unterschiedlichen Spezialthemen widmen.