2000-2011
FRANKFURTER PROGRAMM  WÜRDE IM ALTER

Nachdem die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung im Jahre 2000 das „Sofortprogramm zur Verbesserung der psychosozialen Betreuung in Altenpflegeheimen“ in Höhe von 3,4 Mio. DM beschlossen hatte, versuchten die Pflegekassen zunächst die Auszahlung dieser Mittel zu verhindern bzw. sie als Betriebskostenzuschüsse bei der nächsten Entgeltverhandlung der geförderten Heime abzuziehen. Nach mehrmonatigen Verhandlungen einigten sich die Beteiligten schließlich darauf, die Mittel für zusätzliche Betreuungsprojekte außerhalb des SGB XI einzusetzen. Die Förderrichtlinie der Stadt Frankfurt konnte daher am 01.06.2001 in Kraft treten. Heimbewohnerinnen und -bewohner, die aufgrund gerontopsychiatrischer Erkrankungen oder biografischer Traumatisierungen einen psychosozialen Betreuungsbedarf haben, der über die Leistungen des SGB XI hinausgeht, sollten durch die Projekte zusätzliche psychosoziale Hilfen erhalten.


history 06Mit den Projektmitteln wurden und werden in den Heimen beispielsweise Betreuungsgruppen für demenziell erkrankte Menschen initiiert, tagesstrukturierende Maßnahmen eingeführt oder spezifische Einzelbetreuungsprojekte entwickelt.

Auch wurden Projektmittel zur Mitarbeiterweiterbildung innerhalb der Einrichtungen bzw. einrichtungsübergreifend eingesetzt. Die Evaluation der Projekte übernahm im ersten Projektjahr die Fachhochschule Frankfurt.

Broschüre: „Den Lebensabend in Würde gestalten“
In den Jahren 2003/2004 wurden die Projekte von der Netzwerk- und Pressestelle des Frankfurter Forums für Altenpflege mittels Email-Kampagnen der journalistischen Öffentlichkeit kommuniziert. history 07Dabei wurde jedes Projekt in allgemeinverständlicher Form von den Projektleitenden in den Heimen im Artikelformat (mit Bild) selbst beschrieben und in der Pressestelle redaktionell aufbereitet. Damit gelang die Verknüpfung professioneller PR-Arbeit mit basisorientiertem Handeln auf beschreibender Ebene.
Diese innovative Entwicklung im Bereich der sozialen Arbeit und die Kampagne „Die Würde des Alters ist antastbar“, die von 1998 bis 2002 lief, wurden bei der Verleihung des PR-Preises 2003 an die Pressestelle des Frankfurter Forums für Altenpflege mit der goldenen Brücke ausgezeichnet.

Die einzelnen Artikel über die Projekte wurden schließlich in der Publikation „Den Lebensabend in Würde gestalten“ zusammengefasst und den Bürgerinnen und Bürgern Frankfurts zugänglich gemacht. Diese Schrift zeigt zugleich die Bandbreite der Betreuungsprojekte in den Frankfurter Heimen.

Seit 2003 Seniorenfest auf der Konstablerwache

Als Dank an die Stadt Frankfurt und ihre Bürgerschaft, die das Sofortprogramm letztlich mit ihren Steuermitteln finanziert, veranstaltet das Frankfurter Forum für Altenpflege seit dem Jahr 2003 ein Fest auf der Konstablerwache. Es findet seit dieser Zeit im Ein- oder Zweijahrestakt im Spätsommer statt. Die beteiligten Heime präsentieren dort ihre Arbeit und die durch das Sofortprogramm finanzierten Betreuungsprojekte. Auch Fachbehörden und weitere Institutionen sind mit Informationsständen vertreten. Zudem werden Unterhaltungsprogramme geboten sowie Diskussionen über altenhilfepolitische Themen geführt. Im Jahr 2007 stand das Fest unter dem Motto: „Einsicht, Aussichten: Alle Sinne schärfen“.

Im Jahre 2006 wurde das bis dahin sogenannte Sofortprogramm in das „Frankfurter Programm Würde im Alter“ umbenannt, womit die Stadt Frankfurt am Main die jährlich finanzierte Maßnahme von 2,7 Mio. zugleich auf 3 Mio. aufstockte und verbindlich für die Altenpflege Frankfurts festschrieb.

Dank des Frankfurter Programms, das in dieser Form in der Bundesrepublik einmalig ist, haben sich sowohl die Pflege- als auch die Betreuungsqualität in den Frankfurter Altenpflegeheimen signifikant verbessert.

Kultur der Pflege ist Pflege der Kultur
Altenpflegeheime werden in der Öffentlichkeit oft auf ihre Pflegeleistungen reduziert. Heime sind jedoch Wohnorte für pflegebedürftige Menschen, deren Betreuung und Versorgung sich nicht nur an körperlichen Defiziten orientieren darf. Heimbewohnerinnen und -bewohner haben nicht nur körperliche, sondern vor allem psychische, soziale, kulturelle und spirituelle Bedürfnisse, zu deren Erfüllung die Einrichtungen beitragen müssen. Die vielfältigen Anstrengungen der Frankfurter Heime wurden im Jahr 2005/2006 in der Kampagne „Kultur der Pflege ist Pflege der Kultur“ zusammengeführt. Jedes Heim präsentierte dazu einen seiner konzeptionellen Schwerpunkte, wie z.B.

    • Kulturarbeit
    • Integration ehrenamtlicher MitarbeiterInnen
    • spezielle Therapieformen wie: Kunsttherapie, tiergestützte Therapie oder Clowntherapie
    • besondere kulinarische Projekte
    • religiös-spirituelle Angebote
    • Sterbebegleitung

history 08Dazu erstellten die Heime mit Unterstützung der Pressestelle des Frankfurter Forums für Altenpflege Berichte über ihre Arbeit, die bundesweit an Tageszeitungen, Fachzeitschriften und weitere Multiplikatoren versandt wurden.

Zum Abschluss der Kampagne wurden alle Projektbeschreibungen in der Broschüre „Kultur der Pflege ist Pflege der Kultur“ abgedruckt. Wie die schon zuvor genannte Broschüre „Den Lebensabend in Würde gestalten“ konnte sie dank der Unterstützung von Sponsoren kostenneutral finanziert werden.

DAS STATIONÄRE FRANKFURTER PROGRAMM
WÜRDE IM ALTER

AUS SICHT DER KOMMUNE, DES GELDGEBERS

Maßnahmen zur Unterstützung der Betreuung in Frankfurter Altenpflegeheimen werden kontinuierlich seit 2001 als städtische Zuwendung gefördert. Derzeit zahlt die Stadt jährlich 1,85 Mio. Euro zur Verbesserung der psychosozialen Betreuung in Frankfurter Altenpflegeheimen. Die Zuwendungen sind dauerhaft, wenn die Bedingungen aus der Förderrichtlinie erfüllt werden. Die Förderung erhalten ausschließlich Frankfurter Altenpflegeheime im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens.

Zuwendungen erhielten 27 Altenpflegeheime 2008 für Maßnahmen in der Einzel- und Gruppenbetreuung (Einzelbetreuung in der Regel für bettlägerige Menschen) und für die Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
 Finanziert werden einrichtungsindividuelle Maßnahmen, deren Umsetzung und Mittelverwendung nachgewiesen werden müssen. Bereits praxiserprobte, ernsthaft umgesetzte Konzepte verliefen erfolgreicher als selbstentwickelte Maßnahmen.
Ein Grund dafür ist, dass praxiserprobte Konzepte eine ganzheitliche Sicht- und Arbeitsweise beinhalten, d. h. strukturelle Veränderungen voraussetzen. Das war Ziel der letzten Jahre und ist es auch für die kommenden, denn Entwicklungen und Veränderungen in der Pflege sind langwierig.
 
history 09Außerdem werden einrichtungsübergreifende Projekte gefördert und zwar in der Beratung und Unterstützung von Frankfurter Altenpflegeheimen bei der Planung und Implementierung von:

  • Ehrenamts- und Angehörigenmanagement,
  • Unterstützung bei der Implementierung von palliativer Kompetenz und Abschiedskultur in Altenpflegeheimen
  • das Konzept Privatheit in Altenpflegeheimen zum Erhalt privater Bindungen
  • und der Entwicklung eines Betreuungs- und Beziehungsnetzes in der stationären Versorgungsstruktur sowie
  • Ethik-Komitee in der stationären Altenpflege.


Die Absicht, die hinter der einrichtungsübergreifenden Förderung steht, ist die noch gezielter ausgerichtete und verpflichtende Verbesserung der Betreuung.
 
Im Programm etabliert sind der sechswöchig stattfindende Erfahrungsaustausch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die geförderten Maßnahmen umsetzen, sowie gemeinsame Fortbildungen, beispielsweise zum Thema Psychopharmaka. Die Teilnahme am Erfahrungsaustausch ist verbindlich. Daran und an den gemeinsamen Fortbildungen können auch nicht geförderte Frankfurter Altenpflegeheime teilnehmen.  
Konzeption und Umsetzung der Maßnahmen seitens Stadt Frankfurt:  Gabriele Rister