Pressemitteilung vom 03.08.2019-Aktuelles-

Frankfurter Programm Würde im Alter

Unsere Themen heute:
01 |  
Die Mainmetropole hält am Frankfurter Programm Würde im Alter fest
02 | DIE WÜRDE IM ALTER WAHREN – Beiträge zu 70 Jahre Grundgesetz Artikel 1
 
 

 
v.l.n.r.: Ulli Jefcoat, Projektleiterin FPWiA Anlagenring, Anna Grundel, Leiterin Altenpflegeheim Anlagenring, Ramona Wagner, Mitglied im Ethikkomitee des FPWiAv.l.n.r.: Ulli Jefcoat, Projektleiterin FPWiA Anlagenring, Anna Grundel, Leiterin Altenpflegeheim Anlagenring, Ramona Wagner, Mitglied im Ethikkomitee des FPWiA
01.  Die Mainmetropole hält am Frankfurter Programm Würde im Alter fest
 

Der Sozialausschuss der Stadt Frankfurt tagte am 24. Juni 2019 im voll besetzten Sitzungssaal „Haus Silberberg“ im Römer und steht zu mehr Lebensqualität für pflegebedürftige Menschen in der ambulanten und stationären Altenpflege.

Auf der Agenda des Abends stand auch das „Frankfurter Programm Würde im Alter“, mit dem die Stadt zusätzliche Mittel für Betreuungsleistungen in der ambulanten und stationären Altenpflege seit 2001 finanziert. Wegen Sparzwangs habe das Programm ab 2018 gekürzt werden müssen, weil es im Rahmen freiwilliger Leistungen finanziert werde, erklärte Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld, CDU. Dies bedingte unterdessen einen personellen Rückgang in den Programmprojekten der Heime und damit eine Reduktion der Angebote. Dennoch fördert die Stadt das Programm weiterhin und will möglichst allen Einrichtungen eine Teilhabe daran ermöglichen.

Die Stadtverordnete Sylvia Momsen von den GRÜNEN setzt sich für den Fortbestand des Programms ein, auch weil sich dadurch eine einmalige Kooperation entwickeln konnte. So habe sich nicht nur die Betreuung pflegebedürftiger Menschen ausdifferenziert, sondern es sei auch eine innovative Zusammenarbeit aller Pflegeheime in Frankfurt entstanden. Mehr Lebensqualität für Menschen mit Pflegebedarf habe sich durch diesen gemeinsamen Lernprozess entwickelt, der mehr Offenheit in der Qualitätsentwicklung der stationären Pflege bedingt. Unterdessen haben sich neben vielen Einzelprojekten – etwa für Menschen mit Demenz – für alle Heime nutzbare Angebote entwickelt wie das Ethikkomitee in der Altenpflege oder auch ein Projekt der palliativen Begleitung und Abschiedskultur.

Durch die Neuausrichtung der Pflegeversicherung müsse nun das Frankfurter Programm Würde im Alter neu aufgestellt werden, berichtete die Sozialdezernentin während der Sitzung. Denn auf das Pflegesystem kommen gesetzlich neue Anforderungen in Pflege und Betreuung zu – etwa in der Versorgung von psychisch und psychiatrisch erkrankten Menschen. Hier seien Weiterbildung und Schulungen erforderlich, um auch diesen Personenkreis professionell zu unterstützen.

Die Stadtverordnete Ursula Busch, SPD, präzisierte, dass die Stadt mit dem Frankfurter Programm ein Versagen der Bundespolitik teilweise auffange und das aber nur begrenzt leisten könne.

Das Frankfurter Programm wurde bereits in den 90er Jahren vom Frankfurter Forum für Altenpflege (FFA) – dem trägerübergreifenden Netzwerk der Heimleitenden – initiiert, weil die Pflegeversicherung ab 1996 nur ungenügend psychosoziale Betreuung in den Pflegeeinrichtungen vorsah.

Eine PR-Konzeption für das FFA war Vorlage für die Realisation und brachte dem FFA im Jahr 2003 die Verleihung des Deutschen PR-Preises der DPRG ein.

Dank der städtischen Förderungen konnten und können neue Projekte umgesetzt werden, um den wachsenden Anforderungen in den Pflegeeinrichtungen und einer älter werdenden Gesellschaft gerecht zu werden. Wie die Finanzierung künftig gestaltet sein wird, steht noch nicht fest. 

Text: Frankfurter Forum für Altenpflege



 
Beate Glinski-Krause M.A. – Gründerin und Leiterin des FFA-NetzwerkbürosBeate Glinski-Krause M.A. – Gründerin und Leiterin des FFA-Netzwerkbüros
02.  DIE WÜRDE IM ALTER WAHREN – Beiträge zu 70 Jahre Grundgesetz Artikel 1

Würdigende Beziehungen im Leben der Altenpflege gestalten

Als das Grundgesetz 1949 in Kraft trat, hatten die Staatsgründer im 1 Artikel bestimmt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist und damit eine staatstragende Bedeutung hat. Was gebietet Würde in unserer älter werdenden Gesellschaft?

Klar ist, wenn wir das Licht der Welt erblicken, brauchen wir Zuwendung und Pflege, um erwachsen zu werden. Gleiches brauchen wir, wenn wir aus Altersgebrechlichkeit auf andere angewiesen sind, die uns pflegen und ein besonders Verständnis für Demenz und psychiatrische Erkrankungen entwickelt haben.

Dass Würde eine Ordnungsstruktur sei, die die Menschen aus sich selbst heraus entwickeln sollten, das führt der Neurobiologe Harald Hüther 2019 in seinem Buch “Würde” aus. Dieser Würdebegriff dürfe nicht in einer Hierarchie enden, die in einer immer komplexer werdenden Welt ohnehin ein Auslaufmodell sei. Wir müssten einen inneren Kompass entwickeln, der uns hilft, gute Beziehungen zu anderen Menschen auf- und auszubauen. Er ermutigt, dass wir als Bürgerinnen und Bürger ein waches Bewusstsein über die eigene Würde entwickeln mit Antworten auf die Frage: “Ist das, was ich heute getan habe, mit dem vereinbar, wer und was ich als Mensch sein möchte?”

Wie wichtig in der Altenpflege Beziehung und Sprache sind, zeigt ein Gespräch mit Maren Asmussen-Clausen, die u. a. Kinaesthetics-Ausbilderin ist. Ihr geht es in der Pflegehandlung um eine würdevoll zugewandte Sprache der Pflegenden mit dem pflegebedürftigen Menschen. Diesem könne klar gemacht werden, was er noch alles von sich aus kann. Hier könnten Pflegeteams Konzepte nutzen, um Wertschätzung zu stärken – etwa durch Kinaesthetics. Diese Methode befähige, nonverbale Äußerungen Pflegebedürftiger besser zu verstehen und auf sie einzugehen.

Der Gerontologe Erich Schützendorf, der lange in der Pflege tätig war, erläuterte seine Sichtweisen über Würde von Menschen mit Demenz. Er sieht deren Würde im “dionysischen Prinzip” verortet. Das heißt, dass sie aus Emotionalität, Eigensinn, gar Unvernunft heraus ihr Leben bestreiten. Sie hätten aber den berechtigten Anspruch, darin auch so akzeptiert zu werden von denjenigen, die in der rational “normalen” Welt leben. Die Kosten, die etwa durch die verschiedenen Deutungen von Würde entstehen, müssten nun zwischen den Bedürfnissen der verschiedenen Generationen gerecht im Sinne des Grundgesetzes verteilt werden.

Der Philosoph Ralf Stöcker erläutert die wichtige Funktion der Menschenwürde im Bereich des Gesundheitswesens. Menschen, die medizinisch behandelt werden, müssten heute über medizinische Eingriffe aufgeklärt werden und ihre Einwilligung dazu erteilen, was nicht immer so geregelt war. Menschen mit Demenz, die dem natürlichem und nicht dem freien Willen angehören, werden hingegen bei medizinischen Entscheidungen von einem gesetzlichen Betreuer vertreten. Schwierig werde es vor allem dann, wenn der Betreuer gegen den Willen des Betreuten handelt. Einen Menschen gegen seinen Willen zu etwas zu zwingen, sei eine schwere demütigende Behandlung, urteilt Stöcker.

Text: Beate Glinski-Krause

 
 
 
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